Beteiligung und Politik – Das Berliner Schulbauproprogramm 2020

In einem arbeitsintensiven Prozess auf dem Weg zum neuen Berliner Schulbauprogramm 2020 gelang es hochmotivierten Teilnehmer/-innen – mit Hilfe von professioneller Prozessberatung und externer Fachexpertise – innerhalb eines engen Zeitplans zu einem Ergebnis zu gelangen, das sich sehen lassen kann. Eine in den Beteiligungsprozess integrierte Bildungsreise führte zu außerordentlichem Engagement und förderte die konstruktive und zielorientierte Zusammenarbeit aller Beteiligten. (Illustration: SLANG – Studio for graphic design, Nat Haman und Florent Moglia, Typo-Design: raumfuer design und change – Alexander Schilling)

 

Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie – Das neue Berliner Schulbauprogramm 2020

Ein Beteiligungsprozess zum Thema Schulraumqualität zum Neuen Berliner Schulbauproramm

Aufgabe
In diesem Beteiligungsprozess sollte eine Expertengruppe gemeinsam mit ca. 40 beteiligten Personen der Stadtgesellschaft die Qualitätskriterien für das neue Berliner Schulbauprogramm 2020 entwickeln und für Politik und Verwaltung umsetzbar machen. Die Senatorin für Bildung, Jugend und Familie, Sandra Scheeres, hat in Berlin im September 2016 die Facharbeitsgruppe Schulraumqualität (FAG) unter Beteiligung der Stadtgesellschaft sowie verschiedener Senatsverwaltungen eingerichtet und beauftragt, ein Konzept für den Schulneubau unter Berücksichtigung sozialräumlicher Öffnung zu erarbeiten. Die Beratung und Begleitung übernahm Ines Stade für den Part Prozessentwicklung und -steuerung zusammen mit Rainer Schweppe, in der fachlichen Leitung.

Ziel
Die Facharbeitsgruppe sollte bei ihrem Vorhaben, Kriterien und Rahmenvorgaben für eine zeitgemäße Schulraumqualität zu entwickeln, extern beraten und durch den Prozess der Konzeptentwicklung moderiert und begleitet werden. Dabei sollten die einzelnen Veranstaltungen sowie die geplante Bildungsreise von der externen Beratung geplant und durchgeführt werden.

Umsetzung
Der Prozess für das neue Berliner Schulbauprogramm 2020 wurde als Beteiligungsprozess konzipiert und durchgeführt. Beteiligungsprozesse zeichnen sich dadurch aus, dass entweder alle an der Situation betroffene Personen oder ein repräsentativer Querschnitt aktiv beteiligt sind. Das heißt konkret, dass die Ergebnisse von den Beteiligten entwickelt werden und auch die Umsetzung der erarbeiteten Maßnahmen bleibt in der Verantwortung der Betroffenen. In diesem Prozess wurden in intensiven Arbeitsphasen in kurzer Zeit (September 2016 – Februar 2017 siehe Zeitschiene) Empfehlungen für das neue Berliner Schulbauproramm entwickelt. Mit diesem Prozessdesign wurde „Neuland“ betreten, denn weder Bundesländer noch Kommunen hatten bislang einen solchen Beteiligungsprozess zum Thema Schulbau durchgeführt.

Für die Entwicklung des neuen Berliner Schulbauprogramms richtete Senatorin Sandra Scheeres eine Facharbeitsgruppe Verwaltung ein. Vertreterinnen und Vertreter der relevanten Verbände, Landesgremien und externe Expertinnen und Experten für Schulbau erweiterten die Fachgruppe, die mit den Senatsverwaltungen für Bildung, Jugend und Familie (SenBildJugFam) und für Stadtentwicklung und Wohnen (SenStadtWohn) kooperierte. Die ausgesprochen konstruktive Zusammenarbeit der zwei Senatsverwaltungen muss an dieser Stelle besonders hervorgehoben werden, da sie sich in ihrer erstmaligen Durchführung sehr erfolgreich gestaltete. Temporär beteiligte sich auch die Senantsverwaltung für Finanzen (SenFin). Die zukunftsweisende Arbeit wurde als gemeinsame Mission wahrgenommen.

Zu Beginn des Prozesses fand eine Auftaktveranstaltung (23. September 2016) statt, die der Einstimmung der Beteiligten auf die Ziele und Aufgaben diente und in der sich diese drei Projektgruppen (Pädagogik, Architektur und Standards, Sozialräumliche Öffnung) zuordneten. Die Projektgruppen, die sich alle drei durch eine heterogene Durchmischung der Teilnehmenden auszeichneten, bearbeiteten das Thema und die kommenden Aufgaben aus einer bestimmten Perspektive.

Im Anschluss an die Auftaktveranstaltung unternahmen alle eine Expedition in Form einer Bildungsreise nach Hamburg und München, um die dortigen Konzepte und Vorgehensweisen zu studieren (11.-13. Oktober 2016). Nach einer Ideenwerkstatt (03. November 2016) bearbeiteten die Projektgruppen die Eindrücke der Expeditionsreise in einer sich anschließenden Arbeitsphase.

Die vorläufigen Ergebnisse der Projektgruppen sichteten und diskutierten alle Beteiligten in einer Zwischenkonferenz (7. Dezember 2016). Daran schloss sich eine weitere intensive Arbeitsphase an, bevor eine Abschlussveranstaltung am 10. Februar 2017 den Prozess abrundete. (Prozessübersicht, siehe Zeitleiste)

Resumée
Rückblickend betrachtet ist dieser Beteiligungsprozess sehr erfolgreich verlaufen und hat mit dem Abschlussbericht  ein beeindruckendes Ergebnis hervorgebracht. Auch vor dem Hintergrund der erstmaligen Durchführung eines solchen Prozesses mit dieser Dimension und Tragweite ist besonders das große Interesse und das enorme Engagement aller Beteiligten hervorzuheben.

Als Schlüsselerlebnis ist die Bildungsreise nach Hamburg und München zu nennen. Sie bewirkte, dass sich alle Beteiligten noch motivierter und mit großer Begeisterung in die Arbeitsphasen stürzten. Auch in der Endphase der Bearbeitung nahm die Begeisterung nicht ab – vielmehr engagierten sich die Arbeitsgruppen in wöchentlichen Treffen für die Entwicklung des Konzeptes und die Ausarbeitung der Empfehlungen. Das Engagement aller Beteiligten war überwältigend und ein Vielfaches konstruktiver, effektiver und intensiver als zuvor erwartet.

Neben dem Engagement der Beteiligten trugen der klare Projektauftrag mit Zielvorgaben sowie der verbindliche Zeitplan maßgeblich zum Erfolg des Prozesses bei. Die Beteiligung der repräsentativen Entscheidungsträger der einzelnen Disziplinen, Institutionen und Organisationen und die Gegenwart von Senatorinnen, der Senatsbaudirektorin sowie des Staatssekretärs verliehen dem Prozess einen angemessenen Stellenwert und förderten die Motivation der Beteiligten.

Die stetige Information der Öffentlichkeit sowie die Rückkopplung im zeitgleich stattfindenden rotrotgrünen Regierungsbildungsprozess begünstigten den Erfolg. Die externe Prozess- und Fachexpertise durch Ines Stade und Rainer Schweppe trug maßgeblich zum Erfolg auf dem Weg zum neuen Berliner Schulbauprogramm bei.

Die neue Konzeption der Berliner Team- und Lernhäuser ist ein Paradigmenwechsel und ein Meilenstein in der Schulbaugeschichte Berlins und wird bundesweit Beachtung und Akzeptanz finden.

Ines Stade, Prozessentwicklung und -steuerung. Zum Profil >>

Rainer Schweppe, fachliche Leitung der Facharbeitsgruppe Schulraumqualität des Landes Berlin als externer Berater.

Daten