von Alexander Schilling

Wir leben interessanten Zeiten: eine neue Generation von Unternehmen wächst heran. Sie organisieren sich nach Prinzipien, die uns aus dem Internet vertraut sind: Eigenverantwortlichkeit und Teilhabe. Wie können Unternehmen von der Entwicklung profitieren? Darum geht es im folgenden Beitrag.

Artgerechtes Arbeiten

Als ich von der Idee hörte, dass ein Unternehmen basierend auf Eigenverantworlichkeit und Teilhabe organisiert sein könnte, war ich elektisiert. Das  war 2001 in meiner Ausbildung zum Open Space Moderator, genauer gesagt Facilitator (Begleiter). Eigenverantwortlichkeit, Selbstorganisation und Teilhabe oder Partizipation sind die Qualitäten, die den Kern einer Open Space Konferenz ausmachen. So im Alltag arbeiten zu können, das würde ermöglichen „artgerecht“ zu arbeiten, auf eine Weise, die es ermöglicht, inspiriert, mit Freude und hocheffizient zu arbeiten und sich zu vernetzen, ohne dass es sich nach Arbeit anfühlt.

Wo wird denn schon anders gearbeitet?

Das fragte ich mich und machte mich auf eine Jahre dauernde Suche nach Unternehmen, die sich aus einer solchen Haltung organisieren. Lange Zeit schien es, als sei der hochgleobte, radikal demokratische Ansatz Ricardo Semlers „Managing without managers“ die einzige Oase in der Wüste konservativer Unternehmensführung. Wie kann es sein, dass der sehr erfolgreiche brasianische Pumpenhersteller Semco keine Nachahmer fand? Nun es ist nicht so, dass er sie nicht fand. Es dauerte nur eine Weile.

New Work

In der aktuellen Diskussion der letzten Jahre auf Fachtagungen wie Work in Progress Hamburg , den Berlin Change Days oder den Veranstaltungen wie intrinsfy!me und  Open Space Stammtisch Hamburg findet ein interessanter Austausch statt, wo man viel über Demokratie als Unternehmensmodell erfahren kann. „Zukunft der Arbeit“ „Demokratie“, „New Work“ und „Holokratie“ sind Stichworte des Diskurses.

Es geht, das mit der Demokratie im Unternehmen.

Das Spannende ist: es ist nicht mehr nur ein Diskurs. Es gibt sie, die neuen, demokratischen Unternehmensmodelle, die belegen: Es geht, das mit der Demokratie im Unternehmen. Zu nennen wären hier als Pioniere beispielsweise die Strategieberater Partake in Berlin, die IT-Berater Oose in Hamburg oder die digital, revolutionären Berater Darkhorse, ebenfalls aus Berlin über deren Modell ich in meinem Blog Agile-Organisationsentwicklung berichtet habe (zum Artikel>>). Nachfolgend der Trailer zum Film „Augenhöhe“ von Daniel Trebien. Der Film stellt neue, partizipative Unternehemensmodelle vor. Premiere ist am 30.Januar 2015 in Hamburg.

 

Endlich nicht mehr entscheiden müssen? Von wegen…

Ich glaube, nicht, dass Demokratie als Ansatz für flache Hierarchien ein Allheilmittel ist, um gerade junge Unternehmen vor den unbequemen Fragen danach, wie Führung und Verantwortung funktioniert, bewahren kann. Allerdings ist es so, dass in unserem digitalen Zeitalter völlig andere Voraussetzungen existieren, um ein Unternehmen zu organisieren. Eigenverantwortlichkeit, Selbstorganisation und Teilhabe oder Partizipation, das sind heutzutage keine Qualitäten mehr, deren Vorteile man Mitarbeiter überzeugen muss.  Vielmehr sind es Qualitäten, die der heutigen Mitarbeiter Generation vertraut sind – weil sie sie durch die Nutzung des Internet gelernt haben – und die sie zunehmend einfordern werden. Ein Paradigmenwechsel.

Copycat?

Die ersten Unternehmens-Modelle, sie wirken verlockend: intrinsisch motivierte, engagierte, performante Mitarbeiter und Teams, wie man sie etwa bei Partake und Oose antrifft, sie machen Lust auf das Neue. Das spannende an diesen Modellen ist: die Geschäftsidee sind nicht kopierbar – im Gegensatz zu Produkten, Herstellungsverfahren und Workflows. Das liegt daran, dass sie die Frucht intensiver Change-Prozesse sind, die sich auf die Einzigartigkeit des Unternehmnes-Teams beziehen. Es kommt nicht von Ungefähr, dass es sich bei den ersten Unternehmen „neuer Arbeit“ vor allem um Beratungsunternehmen handelt, denen das Know-How von Change-Prozessen zur Verfügung steht.

Wie bleibt oder wird ein Unternehmen zukunftsfähig?

Da wir gesehen haben, das für den Wandel zu einem zukunftsfähigen Unternehmen Change-Know-How ein wesentlicher Faktor ist. Stellt sich die Frage, welches Know-How ist hier gemeint? Ich unterstelle, das sich vor allem um die Kombination von Demokratie- und OE-Prozessen handelt. Genauer gesagt: der Kombination aus der Expertise für selbstorganisierende, demokratische Prozeße – wie beispielsweise Open Space Konferenzen – und das Instrumentarium klassischer Organisationsentwicklung und Führungskräfteentwicklung. Es ist daher spannend, bei Ines-Stade in einem Berater-Team zu sein, dem genau das zur Verfügung steht. Und bin daher sehr gespannt auf unsere Projekte.

Abschliessend möchte ich noch einen Event empfehlen: die Agentur Dark Horse stellt bei Oose in Hamburg am 29.1.2015 um18:30 ihr neues Buch vor. Der Titel:  „Thank God ist´s Monday“ 😉

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