stephanie_rundel_400x420von Stephanie Probst

What´s app, facebook, Online-Spiele… jedoch kein WLAN in der Schule. Virtuelle Community, besorgte Eltern, Lehrer zwischen Schulbüchern und „der Welt da draußen“.  Grenzen und Möglichkeiten von Technik und Verwaltung…und last but not least: politische Weichenstellungen für ein komplexes Thema: Wie gelingt es, dass die Stadt München zur digitalen Bildungsmetropole der Zukunft wird? Stephanie Rundel beschreibt in ihrem Artikel, wie mit der Methode Zukunftskonferenz die Grundlage für Münchens Weg zur digitalen Bildungsmetropole gelegt wurde.

Egal ob es um Bildung und neue Medien, Energiversorgung oder das geplante Naherholungsgebiet geht: Nicht für BürgerInnen, sondern mit BürgerInnen müssen Zukunftsthemen geplant und entschieden werden!

Wie das geht, zeigt der folgende Bürgerbeteiligungsprozess, den Ines Stade für die Stadt München entwickelt und moderiert hat.

 

Was genau macht einen Bürgerbeteiligungsprozess erfolgreich?

Bürgerbeteiligungsprozesse können so verschieden gestaltet sein, wie die Themen, die damit erarbeitet werden: Von A wie Anhörung über O wie Online-Moderation bis Z wie Zukunftskonferenz gibt es eine Vielzahl an Beteiligungsmethoden. Die Kunst ist es, die passenden Methoden auszuwählen und den Gesamtprozess zu moderieren.

Für die Stadt München zeichnete sich im Rahmen der Auftragsklärung ab: Das Herzstück der Bürgerbeteiligung findet in Form einer Zukunftskonferenz statt.

 

Was ist eine Zukunftskonferenz?

Eine Zukunftskonferenz wird veranstaltet, wenn man mit unterschiedlichen Interessensgruppen die gemeinsame Zukunft entwirft und dann konkrete Planungsschritte folgen. Zukunftskonferenzen erzeugen Aufbruchstimmung, schaffen Gemeinschaft und Motivation selbst bei Gruppen mit unterschiedlichen Interessen.

Dies war bei den TeilnehmerInnen voll und ganz der Fall: Techniker, Eltern, Wissenschaftler und Schüler haben verschiedene Vorstellungen, jedoch auch gemeinsame Interessen. So entstand ein lebendiger Dialog, indem „das ganze System in einen Raum geholt wurde“, ein Grundprinzip der Zukunftskonferenz.

Die Zukunftskonferenz ist ein Instrument der Bürgerbeteiligung und beruht auf dem Verfahren der Großgruppenmethode. Als Gründer gilt Marvin R. Weisbord (USA).

 

Wie läuft eine Zukunftskonferenz ab?

Eine Zukunftskonferenz dauert 1 bis 3 Tage und verläuft in mehreren Phasen:

–       die Vergangenheit bewusst machen: Wo kommen wir her? Was hat uns geprägt?

–       Das Umfeld prüfen: Welche Entwicklungen kommen auf uns zu? Was sind die relevanten globalen oder lokalen Trends?

–       Die Gegenwart anschauen: Was läuft toll, was bedauern wir?

–       Die Zukunft erfinden: Wie soll die Zukunft aussehen? Was wollen wir gemeinsam erschaffen?

–       Die Umsetzung sichern: Ziele, Maßnahmen, Aktionspläne: Wer, was, bis wann?

 

Bildung morgen – shift happens!

Wie sahen die Phasen der Zukunftskonferenz nun in München aus?

Konkret wurden die TeilnehmerInnen mit zwei kurzweiligen Inputs auf das gemeinsame Thema eingestimmt: Wie erträumen sich Lehrer die Schule von morgen? [evtl. Verlinkung youtube: So lernen Kinder in Schweden] Wie sieht die Bildung der Zukunft aus? [evtl. Verlinkung youtube: J. Huber, Zukunftsinstitut: Bildung von morgen – shift happens!].

Danach folgte ein Mix aus Gruppenarbeitsphasen zur Visionsentwicklung und zur Priorisierung von Zukunftsaussagen für die verschiedenen Handlungsfelder. Die Krönung waren die inhaltlich anspruchsvollen und nicht weniger kreativen Gruppenpräsentationen der Arbeitsergebnisse. Abschließend wurden die Handlungsempfehlungen an Stadtschulrat Herrn Schweppe übergeben, der die Mitglieder der „Strategiegruppe Medien“ vorstellte und über weitere Planungsschritte informierte. Alle Informationen können online von allen Beteiligten eingesehen werden.

Nicht zuletzt der Spot von LEO TV zeigte: Die Zukunftskonferenz wurde selbst von dem Kinder-Film-Team als spannend und empfehlenswert befunden – mit dem Nachsatz: „Die Erwachsenen sollten sich dann aber auch in ein paar Jahren treffen und schauen, ob sie das alles umgesetzt haben.“ Dass die Erwachsenen das auch tatsächlich tun, dafür hat Ines Stade längst im Vorfeld gesorgt…

Literaturangabe: Burow, O.A. (2000): Ich bin gut – wir sind besser. Erfolgsmodelle kreativer Gruppen. Stuttgart, Klett-Cotta-Verlag.

„Die Zukunft, die wir wollen, muss erfunden werden. Sonst bekommen wir eine, die wir nicht wollen.“

Joseph Beuys

 

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat, könnten Sie auch folgende Beiträge zur oben genannten Zukunftskonferenz interessieren:

  1. Etappe: Auftaktveranstaltung „Zukunftskonferenz Medienpädagogik“ am 24. 06.14
  2. Etappe: Die Arbeit der „Strategiegruppe Medien“ von Oktober 2014 bis März 2015
  3. Etappe: Die Follow-Up-Veranstaltung „Zukunftskonferenz Medienpädagogik“ am 05.03.15
  4. Etappe: Die Arbeit der „Strategiegruppe Medien“ am Aktionsplan von März bis Juni 2015